Am liebsten auf allen gleichzeitig? Selbständig arbeiten, Privileg – oder Überforderung? Endlich alleine entscheiden, mein Leben aktiv selbst gestalten. Und das Einkommen generieren, das ich verdiene. Toll! So fing es an. Und führte geradewegs in die Überlastung, und das Einkommen entpuppte sich als „Auskommen“. Wie konnte es soweit kommen?

Zu vielfältig waren die Aufgaben, zu unübersichtlich mein Tag, zu groß meine Pläne, was alles umzusetzen sei. Kein Chef, keine Kollegen, du bist verantwortlich bei Struktur, bei Routine-Arbeiten, bei Entscheidungen, und bei der Unterscheidung zwischen wichtig und dringend.

Was hat das mit den Stühlen auf dem Foto zu tun? Mir hat die Idee geholfen, mich in einer Sache buchstäblich niederzulassen.  Ich teile meine Stühle ein:  „Business (Kundenpflege, Administration, Besprechungen, Planung, Durchführung)“ Privatleben (Beziehungen, Enkelkinder, Gesundheit, Neigungen, Trödeln) und nehme bewusst wahr, auf welchem ich gerade sitze.

Damit das Verzetteln nicht seinen Lauf nimmt, lege fest, welcher Sache du dich JETZT widmen willst. Wenn ich auf dem Stuhl „Büroarbeit“ sitze, lege ich nicht nur fest, für wie lange. Ich mache mir bewusst, wo ich gerade bin. Dass ich mich darauf konzentrieren will und nicht plötzlich losrenne und zum Buchladen radle. Dann bleibe ich dran. Ich lasse mich ungern dabei stören. Und ich denke an die Belohnung: Ordnung in meinen Vorgängen, Versprechen einhalten, an meinen Zielen konsequent arbeiten.
Manchmal heisst mein Stuhl: „Telefonate“, „Bewegung“, „Informationsfluss“ oder „Enkelkind“, Hauptsache, ich weiss immer, wo ich gerade bin. Das bringt Ruhe in die Gedanken. Gedanken sind eilige Wesen, die hin und herlaufen und nie zur Ruhe kommen. In der Selbständigkeit kann dieses gedankliche kreuz und quer dazu führen, genervt, überlastet und total ineffektiv zu werden.

Abhilfe: Konzentriere Dich auf diesen einen Stuhl, wo du gerade sein willst. Dann hören schlechtes Gewissen und Hetze auf. Denn du weisst ja, du wirst demnächst Platz auf dem nächsten Stuhl nehmen und dich dort zu 100% widmen. „Platz nehmen“ – ein wunderbarer Ausdruck.
Du musst nicht überall gleichzeitig sein. Wie befreiend.
Ich gebe zu: obiges ist besonders schwierig, wenn du kleine Kinder hast, oder zuhause einen Angehörigen pflegst. Du kannst trotzdem einige meiner Tipps umsetzen und ansonsten viel Geduld aufwenden. Eigene Projekte kommen jetzt eher zu kurz. Setze dich auf den Stuhl „Dankbarkeit für alles, was heute gut läuft“ und bleibe dort oft. Ruhe und innerer Friede machen deine Lebensqualität aus. Und erhöhen deine Strahlkraft!
Ich habe es nie bereut, mir für meine alten Eltern Zeit genommen zu haben. Andere Projekte mussten warten. Aber sie liefen nicht weg. So ist das mit den Stühlen.

 

6 Kommentare

  1. Veröffentlich von Lissy am 30. Mai 2019 um 8:31

    Richtig richtig klasse Bettina!!
    Ich freu mich auf weitere Beiträge dein Schreibstil ruft nach mehr!!
    ❤️

    • Veröffentlich von Heike am 30. Mai 2019 um 10:33

      Ganz herzlivhen Dank dafür, DAS werde ich beherzigen!! Diese, Deine Gedanken kamen genau zur rechten Zeit FÜR MCH!❤

  2. Veröffentlich von Christiane Borisch am 30. Mai 2019 um 10:10

    Das ist soo gut! Auf welchem Stuhl sitze ich gerade? Jetzt grad auf dem Dankbarkeitsstuhl, Dich kennengelernt zuhaben. Danke, weiter so!

  3. Veröffentlich von Birgit Reipert am 30. Mai 2019 um 16:26

    Super TOLL liebe Bettina💕

  4. Veröffentlich von Dagmar Barth am 1. Juni 2019 um 11:53

    Liebe Bettina , du sprichst mir aus der Seele, die vielen Stühle können einen schon mal ins Schleudern bringen und dann sitzt man zwischen allen Stühlen. Ich werde deinen Rat beherzigen. Alles Liebe Dagmar

  5. Veröffentlich von Helga Wentzel v.Dewitz am 24. Juni 2019 um 11:49

    Vielen Dank, liebe Bettina, ein hilfreiches inneres Bild! Vielen Dank dafür.

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